Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer,

liebe Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,

auch wenn die Gesundheit von uns allen natürlich vorgeht – als Unternehmerinnen und Unternehmer sorgt man sich jetzt um seine Existenz, seine Mitarbeiter_innen und damit auch um die gemeinsame Zukunft. In einer solchen Krise machen sich Unternehmer_innen und Arbeitnehmer_innen dieselben Gedanken.

Ich habe versucht, Fragen angesichts der Krise bezüglich Deines Arbeitsplatzes oder Deines Unternehmens bestmöglich zusammenzufassen und zum leichteren Verständnis die direkte Ansprache gewählt. Mein Name ist Johannes und ich bin Landesvorsitzender der JUNOS in Tirol. Ich versuche, den enormen Informationsfluss der letzten Woche so einfach und transparent wie möglich zusammenzufassen. Einen großen Dank an die NEOS Nationalratsabgeordneten Gerald Loacker und Sepp Schellhorn, welche hier wirklich großartige Arbeit leisten!

Außerdem hat Beate Meinl-Reisinger hier einen sehr guten Beitrag geschrieben: https://bit.ly/3a4sGkl

Wenn Du weitere Fragen hast, melde Dich einfach bei mir: johannes.tilg@junos.at

Vorab möchte ich mich bei allen Arbeitnehmer_innen bedanken, die unser System jetzt am Laufen halten: Pflegepersonal, Angestellte im Einzelhandel, Blaulichtorganisationen und bei allen mutigen Unternehmer_innen, welche riskiert haben und nun vor wirklichen Herausforderungen stehen. Ihr ALLE seid Held_innen! ?‍♀️??‍♂️

Los geht’s:

An Dich als Arbeitnehmer_in:

Aus den sozialen Medien oder aus der Zeitung erfährt man, dass viele Menschen bereits nach kurzer Zeit ihren Job verloren haben. Einige Menschen sind gekündigt worden oder haben eine einvernehmliche Auflösung unterschrieben. Allein fast 100.000 Arbeitslose in 3 Tagen in Österreich.

Natürlich stellst Du Dir berechtigt die Frage: „Bitte, wie soll das weitergehen?“, „Wie viele Arbeitslose werden es noch werden?“ und „Wird es auch mich treffen?“

Wie in der Einleitung formuliert, ist es derzeit eine sehr schwierige Situation für Deine Chefin / Deinen Chef, wenn auf der einen Seite die Einnahmen bis zu   100 % wegfallen und auf der anderen Seite Dein Gehalt sowie auch weitere Fixkosten weiterbezahlt werden müssen.

Aber genau dafür gibt es jetzt Unterstützung, die deine Existenz und dein Gehalt betrifft. Die österreichische Politik hat gemeinsam mit den Sozialpartnern mehrfach betont, alles daran zu setzten, so viele Jobs wie möglich zu sichern. Eine Maßnahme ist die sogenannte Kurzarbeit. Nein, das ist keine Erfindung des Bundeskanzlers Sebastian Kurz, sondern wurde in der Zeit vor Corona hauptsächlich in der Industrie eingesetzt. Nun wurde das Kurzarbeit-Modell überarbeitet. Wie? Das erkläre ich Dir jetzt:

Kurzarbeit heißt, dass Deine Chefin / Dein Chef  Deine Arbeitszeit auf bis zu null Stunden reduzieren kann. Du verdienst aber fast gleich wie zuvor. Klingt unglaubwürdig? Ist aber so.

Hier ein Beispiel: Nehmen wir an, Du hast vor der Kurzarbeit 40 Stunden pro Woche gearbeitet, arbeitest aber jetzt nur noch 20 oder 10 Stunden, weil es die Arbeit für 40 Stunden einfach nicht mehr gibt. Dein Arbeitgeber bezahlt in diesem Fall nur mehr die tatsächlich geleisteten Stunden, welche Du im Betrieb oder von zu Hause aus (Telearbeit) erledigst. Du bekommst aber nicht nur den Lohn für die geleisteten Arbeitsstunden, sondern je nach Einkommen zwischen 80-90 % deines Bruttoeinkommens vor der Kurzarbeit. Wie das gehen soll? Ganz einfach: Den Rest, also die Differenz zur geleisteten Arbeit, bezahlt das AMS. Je nach Einkommen bekommst Du eben einen fixen Prozentsatz Deines Bruttoentgeltes. Es wurde hier folgende Staffel vereinbart:

Wenn Du mehr als die Höchstbemessungsgrundlage von € 5.370,- verdienst, muss mit einer höheren Differenz zum gewohnten Einkommen gerechnet werden. Die Kurzarbeitsregelung gilt übrigens nur für Arbeitnehmer_innen, das heißt, für Geschäftsführer_innen und Vorstände müssen Betriebe eigene Lösungen finden. Vor der Umstellung auf das Kurzarbeitsmodell gilt es zu beachten, dass Du Deine Überstunden abbauen musst.

An Dich als Arbeitgeber_in:

Ja ich weiß, dass es eine fordernde Zeit ist, und mir ist klar: Keiner weiß, wie lange die Situation andauern wird, und das ist das eigentliche Problem. Vielen von Deinen Kollegen_innen oder vielleicht sogar Dir fallen nicht 50% vom Geschäft weg, sondern 100%. Als Restaurantbesitzerin ist Dein Umsatz von heute auf morgen gleich null, als Veranstaltungs- und Hochzeitsfotograf gleich null, als Inhaberin einer Buchhandlung ohne Versand gleich null und auch wenn Du Eventmanager_in bist: Umsatz gleich null …

Jetzt gilt es von Seiten der Politik, Arbeitsplätze zu sichern und eine gemeinsame Zukunft mit Deinen Mitarbeiter_innen zu ermöglichen. Es gilt, KMUs und EPUs mit Soforthilfen unter die Arme zu greifen und trotz der Krise mutig in die neuen Zeiten zu blicken. Eine Variante für Dich und die Zukunft Deines Personals ist eben das sogenannte Kurzarbeitsmodell, welche ich Deinen Mitarbeitern so einfach als möglich oben erklärt habe. Ich appelliere an Dich als Arbeitgeber_in: Bitte mach davon Gebrauch und setze alle möglichen Schritte, bevor Du eine Kündigung in Erwägung ziehst.

 

Aber wer schließt eigentlich die Vereinbarung zur Kurzarbeit?

In Betrieben mit Betriebsrat vereinbaren Arbeitgeber und Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung, in jenen ohne Betriebsrat kommt es zu einer Einzelvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Beides erfolgt schriftlich und beinhaltet sowohl die Dauer und das Ausmaß der Kurzarbeit als auch die Begründung, warum es einer solchen bedarf.

Das neue „Corona-Kurzarbeitsmodell“ ist meiner Meinung nach wirklich spitze. Natürlich gibt es noch den einen oder anderen Punkt wie Lohnfortzahlung oder Krankenstand auf Basis des regulären Gehaltes vor der Kurzarbeit. Aber hier bleiben wir NEOS dran!

Hier die Rede von Sepp Schellhorn zu diesem Thema im Parlament: https://bit.ly/2U7aDo4

Du fragst dich als Arbeitgeber_in natürlich, wie lange du ein solches Kurzarbeitsmodell in Anspruch nehmen kannst. Ganz einfach gesagt, muss Dein Arbeitnehmer in einem Zeitraum von drei Monaten 10 % der Normalarbeitszeit leisten. Das heißt, dass die Arbeitszeit am Anfang auch bei null liegen kann. Genau weil nämlich niemand weiß, wie lange die Krise geht, ist es wichtig, so lange als möglich Unterstützung in Anspruch nehmen zu können.

Arbeiterkammer-Direktor Christoph Klein hatin der ZIB 2 das neue Modell für Dich als Arbeitgeber meiner Meinung nach wirklich einfach und verständlich erklärt: https://tvthek.orf.at/profile/ZIB-2/1211/ZIB-2/14045165 (ab 43:01)

Du fragst Dich jetzt als Arbeitgeber_in wie Du die Überbrückungsphase zwischen Umstellung auf Kurzarbeit und Abbau von Resturlaub und Überstunden bezahlen sollst? Hier hat die Bundesregierung ein Hilfspaket für die Sicherung der Arbeitsplätze und Deiner Liquidität beschlossen. Sprich darüber auch mal mit Deiner Bank. Im Hilfspaket der Bundesregierung sind auch neun Mrd. für Garantien und Haftungen zur Kreditsicherung berücksichtigt. Du bist überzeugt und fragst Dich, wie man das jetzt beantragen kann? Ganz einfach per Mail an das AMS. Deine verantwortliche Zentrale und das Formular findest Du hier: https://www.ams.at/unternehmen/personalsicherung-und-fruehwarnsystem/kurzarbeit

Es wurde mit dem AMS eine administrative Abwicklung binnen 48 Stunden vereinbart und es wird sich auch bemühen, so schnell wie möglich zu bezahlen.

Du hast jetzt diesen Beitrag gelesen und fragst Dich, was Du jetzt als Ein-Personen-Unternehmen ohne Mitarbeiter von diesen ganzen Maßnahmen hast? Nun ja, es wird das Gehalt Deiner Kundinnen und Kunden gesichert. Außerdem sind in dem 38 Milliarden Hilfspaket Garantien & Haftungen zur Kreditabsicherung, Notfallhilfen für Branchen, die besonders hart betroffen sind und weitere 10 Mrd. für Steuerstundungen reserviert. Außerdem hier noch 3 Dinge, die du jetzt gleich tun kannst, egal wie groß oder klein Dein Betrieb ist:

  1. Deine Steuervorauszahlung aussetzen lassen. Du kannst einen Antrag per Finanz-Online einreichen
  1. Die Beitragsgrundlage der Sozialversicherung herabsetzen. Das geht einfach per Mail direkt an die SVS
  2. Schau auf www.unos.eu/solidariaet vorbei. Hier bieten zahlreiche Unternehmer_innen ihr Know-How kostenlos an.