Tampon Tax runter – Lassen wir den Staat bluten

Insgesamt hat eine Frau etwa 500 Regelblutungen im Leben. Rechnet man alle Tage zusammen, an denen Frauen die Regel haben, wären es auf ein durchschnittliches Leben gerechnet zirka sechs Jahre. Das kommt teuer. Neben den häufig auftretenden Unterleibsschmerzen bedeutet die Regel auch einen hohen finanziellen Aufwand. Zusätzlich zu unzähligen Tabletten gegen Bauch-, Kopf- oder Rückenschmerzen benötigt eine Frau in ihrem Leben nämlich mehr als 17.000 Tampons und Binden.

Weltweit steht die Versteuerung von Damenhygieneprodukten aktuell zur Debatte. Während in Österreich auf viele Produkte des täglichen Bedarfs ein ermäßigter Umsatzsteuersatz von 10-13 Prozent verrechnet wird, wie zum Beispiel für Bücher, unverarbeiteten Tabak und diverse Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel Kino- und Zirkusbesuche, werden derzeit Monatshygieneartikel für Frauen noch immer mit einem Steuersatz von 20 Prozent besteuert. Dies entspricht neben einer mittelbaren fiskalischen Diskriminierung einer Stärkung der sozialen Ungerechtigkeit in Österreich, da sich Frauen nicht aussuchen können, ob sie diese Produkte verwenden wollen, sondern gleichsam dazu angehalten sind.

Neben der finanziellen Problematik ist Aufklärung über die Menstruation der Frau eine längst überfällige Maßnahme, um der gesellschaftlichen Tabuisierung entgegenzuwirken. Es ist schockierend, dass eine natürliche Körperfunktion, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung direkt betrifft, noch immer von so viel Verlegenheit, Unbehagen und Scham besetzt wird. Viel schlimmer aber noch als diese rückständige Einstellung ist der aktuelle Wissensstand über die Regel in unserer Gesellschaft: So wissen 17% der Mädchen und jeder 3. Junge nicht, was Menstruation eigentlich bedeutet. 53% der Jungen glauben außerdem, Menstruation diene der Verhütung und rund die Hälfte der Mädchen kann mit Begriffen wie Menstruationszyklus oder Zykluslänge nichts anfangen. Bei den Jungen sind es teilweise bis zu 80%.

Dass Mädchen sich mit ihren Schmerzen oft allein gelassen fühlen und Hemmungen haben, mit jemandem darüber zu sprechen, führt nicht nur zu einer Isolierung der Betroffenen. Es stellt auch einen deutlichen Einschnitt in die Lebensqualität und vor allem der schulischen Leistung dar. In der Tat, nur die wenigsten Mädchen würden sich bei massiven Regelschmerzen in der Schule einem Lehrenden anvertrauen und sogar jedes 3. Mädchen hat so starke Regelschmerzen, dass es deshalb schon einmal dem Unterricht fernbleiben musste.

Die umfassende Aufklärung über Menstruation soll aber nicht nur der längst fälligen gesellschaftlichen Enttabuisierung dienen, sondern auch der Nachhaltigkeit. Dass mehr als aller Mädchen gebrauchte Hygieneprodukte anstatt im Mülleimer in der Toilette entsorgen, ist zusätzlich eine ökologische Katastrophe. Dies tun fast 20% aller österreichischen Schülerinnen aus eigener Angabe, da es keinen Mülleimer direkt neben der Toilette gäbe und 25%, da ihnen die Entsorgung in Mülleimern außerhalb des WCs peinlich wäre. Dem wäre leicht vorzubeugen, wenn Mädchen einerseits über diese Problematik aufgeklärt würden und andererseits die gesellschaftlich bedingte Scham verlieren, ihre Hygieneartikel auch außerhalb der Toilette in einem Mülleimer zu entsorgen. Um dieser diskriminierenden finanziellen Belastung, die einseitig auf das weibliche Geschlecht verteilt ist, entgegenzuwirken, fordern wir JUNOS – Junge Liberale NEOS, dass der Steuersatz von Monatshygieneprodukten von 20% auf den ermäßigten Steuersatz von 10% herabgesetzt wird, solang es noch keine Flat-Tax im österreichischen Steuersystem gibt.

Darüber hinaus muss mehr Aufklärung betrieben werden, um die Menstruation der Frau endlich zu enttabuisieren. Besonders in Schulen sollen sich sowohl Buben als auch Mädchen mit dem Thema intensiv auseinandersetzen, um alle notwendigen Inhalte zum Thema Menstruation und Monatshygiene vermittelt zu bekommen und Mythen aufzuklären. Zudem soll die Deckung an Mülleimern in allen Schulen, Unis und öffentlichen Gebäuden auf Damentoiletten gewährleistet werden und die Sensibilisierung von Buben und Mädchen zum Thema „Nachhaltigkeit“ in die Aufklärungsdebatte inkludiert werden.

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