Innsbruck braucht Räume für Jugend- und Clubkultur
Innsbruck ist eine junge Stadt. Studierende, Lehrlinge, Schüler:innen und junge Arbeitnehmer:innen prägen das Leben dieser Stadt. Sie gehen aus, engagieren sich, organisieren Veranstaltungen, gründen Initiativen und wollen ihre Stadt mitgestalten. Trotzdem fehlt es oft an Orten, an denen junge Menschen wirklich Platz haben: zum Feiern, zum Kreativsein, zum Organisieren – und auch einfach zum Zusammensitzen, ohne etwas konsumieren zu müssen.
Gleichzeitig geraten Clubs, Bars, Kulturorte und kleine Veranstalter:innen unter Druck. Hohe Kosten, Lärmbeschwerden, komplizierte Auflagen und fehlende Planungssicherheit machen es schwer, Nachtkultur langfristig zu erhalten. Dabei ist Clubkultur kein Luxusproblem. Clubs, Konzerte, kleine Events und offene Treffpunkte gehören zu einer lebendigen Stadt.
Für JUNOS Tirol ist klar: Die Stadt soll nicht selbst Clubbetreiberin werden und nicht jedes Problem mit Steuergeld lösen. Gute Jugendkultur entsteht nicht durch staatliche Komplettplanung, sondern durch Freiheit, Eigeninitiative und gute Rahmenbedingungen. Aufgabe der Politik ist es, Hürden abzubauen, Räume zu ermöglichen und private Betreiber:innen, Vereine, Jugendzentren, Kulturinitiativen und junge Menschen machen zu lassen.
Wir wollen daher eine liberale und marktwirtschaftliche Ermöglichungskultur: weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung, bessere Nutzung bestehender Möglichkeiten und mehr Vertrauen in junge Menschen.
JUNOS Tirol fordert daher:
1. Kulturviertel rund um die Bögen stärken
Der Bereich rund um die Viaduktbögen, Dreiheiligen, Bäckerei, Zeughaus und Treibhaus soll als junges Kulturviertel weitergedacht werden. Dort gibt es bereits Clubkultur, Kulturinitiativen, Jugendangebote und urbanes Leben. Genau dort sollte Innsbruck ansetzen.
Jugendkultur darf nicht an den Stadtrand verdrängt werden. Junge Menschen brauchen Orte, die erreichbar, sichtbar und Teil der Stadt sind. Ziel ist kein künstliches Eventviertel von oben, sondern ein lebendiger Stadtbereich, in dem Clubs, Kulturorte, konsumfreie Räume und junge Initiativen nebeneinander Platz haben.
Die Stadt Innsbruck soll deshalb gemeinsam mit bestehenden Clubs, Kulturorten, Jugendzentren, Vereinen, Initiativen und Anrainer:innen prüfen, wie dieser Bereich gestärkt werden kann.
2. Konsumfreien Jugendfreiraum bei den Bögen prüfen
Innsbruck braucht Orte, an denen junge Menschen sein können, ohne Eintritt zu zahlen oder etwas kaufen zu müssen. Gerade in einer teuren Stadt ist das eine Frage von Freiheit. Konsumfreie Räume sind keine Einladung zu Chaos, sondern ein wichtiger Teil einer offenen Stadt.
Die Stadt soll deshalb prüfen, ob im Bereich der Viaduktbögen ein konsumfreier Jugend- und Kulturraum entstehen kann. Denkbar wäre etwa die Nutzung von zwei geeigneten Bögen oder angrenzenden Flächen. Dabei geht es nicht um ein teures Prestigeprojekt, sondern um einfache Infrastruktur: Sitzmöglichkeiten, Toiletten, Beleuchtung, Müllkonzept, sichere Heimwege und klare Zuständigkeiten.
Dieser Ort soll nicht verwahrlosen, aber auch nicht überreguliert werden. Es braucht Freiheit und Verantwortung zugleich. Junge Menschen sollen sich dort treffen und kleine Formate organisieren können: DJ-Sets, Vereinsabende, Workshops, politische Gespräche, Kleidertausch, Lesungen oder kleine Kulturveranstaltungen. Damit das funktioniert, braucht es klare Regeln gegen Gewalt, Müll und Belästigung sowie Zusammenarbeit mit Jugend- und Sozialarbeit.
3. Bestehende Räume besser nutzen
Innsbruck muss nicht jedes Problem mit Neubauten lösen. Oft geht es zuerst darum, vorhandene Möglichkeiten besser zu nutzen. Dabei soll ehrlich geprüft werden, wo es tatsächlich geeignete Flächen gibt. Gerade bei den Bögen darf nicht so getan werden, als gäbe es dort massenhaft Leerstand. Wenn aber stadteigene Gesellschaften, öffentliche Partner oder private Eigentümer:innen geeignete Räume haben, sollen diese leichter für Jugendkultur geöffnet werden können. Wir sind klar gegen eine Leerstandsabgabe aber für eine unbürokratische Ermöglichungskultur, geeignete Flächen zu mobilisieren. Hierzu braucht es attraktive Bedingungen damit Flächen auch bereitgestellt und genutzt werden.
Das kann temporär, projektbezogen oder regelmäßig passieren. Denkbar sind Räume für Proben, kleine Veranstaltungen, Workshops, Vereine, Kulturinitiativen oder junge Gründer:innen im Kreativ- und Eventbereich.
Wichtig ist: Jugendkultur darf nicht nur auf Studierende reduziert werden. Studierende sind wichtig, aber Innsbruck besteht auch aus Lehrlingen, Schüler:innen, jungen Arbeitnehmer:innen, Vereinen, migrantischen Communities, Jugendzentren und jungen Unternehmer:innen. Eine gute Strategie muss alle mitdenken.
4. Weniger Bürokratie für Veranstalter:innen
Viele junge Menschen haben Ideen, wissen aber nicht, wie sie diese umsetzen können. Wer ein kleines Event, einen Vereinsabend, eine Clubnacht oder ein Pop-up-Format organisieren will, soll nicht an unklaren Zuständigkeiten und komplizierter Bürokratie scheitern.
Innsbruck braucht daher eine einfache Informations- und Beratungsstruktur. Dort soll verständlich erklärt werden: Wie melde ich ein Event an? Welche Regeln gelten? Wie finde ich einen Raum? Wie gründe ich einen Verein? Wo bekomme ich Unterstützung?
Dabei sollen bestehende Jugendzentren, offene Jugendarbeit, Kulturvereine, Clubbetreiber:innen und auch Beratungsangebote wie die Wirtschaftskammer eingebunden werden. Das ist liberale Jugendpolitik: nicht alles selbst machen, sondern Menschen befähigen, selbst etwas zu machen.
5. Bestehende Clubs absichern und Jugendkulturhaus prüfen
Wer Clubsterben verhindern will, muss bestehende Orte ernst nehmen. Clubs und kleine Veranstaltungsorte brauchen Planungssicherheit. Lärmschutz, Nachbarschaftsdialog und sichere Heimwege sind wichtig. Aber Auflagen dürfen nicht so gestaltet werden, dass am Ende nur noch große kommerzielle Anbieter Veranstaltungen stemmen können.
Langfristig soll Innsbruck außerdem ein Jugendkulturhaus in Richtung Stadtmitte prüfen. Dieses soll kein klassisches Behördenprojekt sein, sondern ein offener Creative Space: mit Raum für Musik, Clubkultur, Proberäume, Workshops, Vereine, junge Initiativen und konsumfreien Aufenthalt. Wichtig ist die Lage: Jugendkultur gehört sichtbar in die Stadt und nicht an den Rand ohne gute Anbindung.
Beschluss
JUNOS Tirol setzt sich für eine Innsbrucker Jugendkultur-Offensive ein.
Kern dieser Offensive sind:
· ein Kulturviertel rund um die Viaduktbögen,
· ein konsumfreier Jugendfreiraum im Bereich der Bögen,
· bessere Nutzung bestehender Räume,
· weniger Bürokratie für Veranstalter:innen,
· die Absicherung bestehender Clubs und Kulturorte,
· und langfristig die Prüfung eines Jugendkulturhauses in Richtung Stadtmitte.
Innsbruck soll Clubsterben nicht verwalten, sondern aktiv verhindern. Die Stadt soll dabei nicht alles selbst betreiben, sondern eine liberale und marktwirtschaftliche Ermöglichungskultur schaffen: weniger Hürden, mehr Eigeninitiative, mehr Vertrauen.
Innsbruck darf nicht nur schön sein. Innsbruck muss lebendig sein.